Schweden ist kein abschreckendes Beispiel

Das Beispiel Schwedens wird von Deutschlands Politik und den Medien nahezu einhellig als Argument verwendet, um Fragen nach der Verhältnismäßigkeit der hiesigen Maßnahmen zur Abwehr möglicher Gefahren durch das neuartige Coronavirus SARS-CoV2 zu deligitmieren.

Mehr Tote pro Kopf und ein erneuter Anstieg der Fallzahlen seien der Beweis für die Richtigkeit der deutschen Maßnahmen, auch wenn Fachleute wie der Bonner Virologe Hendrik Streeck ebenfalls früh darauf hingewiesen haben, dass der Lockdown Mitte März erfolgte, bevor überhaupt die zuvor erlassenen Maßnahmen, die eher auf der Linie Schwedens lagen und in einem Appell an die Besonnenheit der Bevölkerung sowie in Absagen von Großveranstaltungen (Super-Spreading-Events) überhaupt auf ihre Wirksamkeit hätten zeigen können.

Um so bedeutsamer ist nun dieses Interview des britischen YouTube-Kanals Unherd mit der Schwedischen Ärztin und Forscherin am renommierten Karolinska-Institut, Dr. Soo Aleman.

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Lieber Herr Söder

Die Warnung vor einer 2. Welle ist die Grundlage für weiterhin erhebliche Einschränkungen des öffentlichen Lebens. In diesem Video wendet sich Vitalstoff.Blog-Herausgeber Uwe Alschner an Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder. Dieser hat in einem Interview mit AugsburgTV vor der zweiten Welle gewarnt und Schweden als abschreckendes Beispiel erwähnt.
Wie aber sieht es mit Bayerns eigener Bilanz aus? Was legen Erkenntnisse aus der Wissenschaft nahe? Wie gefährlich ist das Coronavirus wirklich? Welche Behandlungsansätze verdienen Beachtung? Um diese und andere Fragen geht es in einer Nachricht für Markus Söder und andere Entscheider in der deutschen Politik.

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»Herdenimmunität ist der Weg, auf dem jedes Land COVID loswerden wird«

Nach einer regionalen Pressekonferenz ist eine Pressekonferenz mit zwei Notfallmedizinern aus Kalifornien zunächst viral gegangen und wurde dann von YouTube und Facebook gelöscht. Inhaltlich hatten beide Ergebnisse von Covid-Tests aus ihren Kliniken präsentiert und Bezug genommen auf Untersuchungen in Los Angeles und im Sillicon Valley (Santa Clara County), die ihre lokalen Ergebnisse zu bestätigen schienen. Dr. Dan Erickson und sein Partner Dr. Artin Massihi haben die Frage aufgeworfen, ob die Maßnahmen zur Abwehr des Coronavirus noch verhältnismäßig sind, wenn das Virus einerseits weiter verbreitet ist, als angenommen, und andererseits die Sekundärfolgen des Lock-Downs immer schwerer zutage treten. Diese Nachricht war für die YouTube-Mutter Google und für Facebook gleichbedeutend mit Fake News. John Kirby von The Press & the People Project (TPPP) hat beide Ärzte für Teil sechs der Reihe Perspectives on the Pandemic interviewt. Wir dokumentieren das Interview im Wortlaut:

JOHN KIRBY: Bitte erzählen Sie uns, wer Sie sind und welchen beruflichen Hintergrund Sie haben.

DAN ERICKSON: Mein Name ist Dan Erickson, ich bin ein ausgebildeter Notfallmediziner. Meinen Abschluss in Gesundheitswissenschaften habe ich an der Universität La Sierra erworben; an der Western University habe ich Medizin studiert. In einem vierjährigen Ausbildungsprogramm habe ich mich zum Notfallmediziner weitergebildet, und bin seit etwa 15 Jahren im County. An verschiedenen Standorten betreiben wir nun Notfallmedizinische Ambulanzen und bauen unsere Leistungen aus.

ARTIN MASSIHI: Mein Name ist Art Massihi. Ich habe mein Grundstudium an der Universität von Kalifornien, Irvine, abgelegt und dann an der medizinischen Fakultät der Loma Linda University studiert. Ich absolvierte ein Praktisches Jahr in Allgemeinchirurgie an der University of Southern California und danach meine dreijährige Facharztausbildung am Kern Medical Center, die ich 2008 abschloss. Und von 2008-2012 arbeiteten wir vor Ort in der Notfallversorgung und in der Notaufnahme, und 2012 eröffneten wir unsere Ambulanzen und bauten in den vergangenen acht jahren unser Geschäft auf.

KIRBY: Sie haben vor kurzem am 22. April eine Pressekonferenz abgehalten. Was hat Sie dazu bewogen, dies zu tun?

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Nobelpreisträger: »Covid war nie exponentiell«

Michael Levitt ist ein Mann der Zahlen. Im Jahr 2013 bekam der Professor für strukturelle Biologie an der Stanford University Medical School den Nobelpreis für Chemie, weil er herausragende Leistungen für das Verständnis komplexer Chemischer System mittels skalierbarer Modelle erbracht hat.

Michael Levitt
Professor Michael Levitt, Standford University

Seit 100 Tagen ist Michael Levitt täglich damit beschäftigt, die Zahlen der Corona-Pandemie zu analysieren, wie er im Interview mit Vitalstoff.Blog-Herausgeber Uwe Alschner erläuterte. „Ich gebe den Zahlen eine Stimme, denn Zahlen haben eine Geschichte zu erzählen,“ sagt er. Und was sie sagen, so Levitt, widerspricht den Untergangszenarien, die weltweit an die Wand gemalt werden. „Die Epidemie war nie im eigentlichen Sinne exponentiell.“

Weil Levitt und seine Frau viele Freunde in China und Hong Kong haben, ließen sie diese anläßlich des chinesischen Neujahrsfestes Ende Januar 2020 wissen, dass sie mit den damals vorwiegend in China von der Epidemie bedrohten Menschen mit Mitgefühl zur Seite stünden. Ein Freund aus China meldete sich darauf hin bei Levitt und baten ihm um eine Bewertung der Dynamik der Epidemie. Diese eigentlich private Bewertung wurde – wie auch im Fall von Professor Carsten Scheller – öffentlich bekannt, vermutlich weil Levitt sehr früh bemerkte, dass die Steigerungsraten trotz steigender Gesamtzahl von Fällen bereits Ende Januar/Anfang Februar rückläufig waren – bevor der dort am 23. Januar verhängte Lockdown Wirkung entfalten konnte. Schon zwei Tage später hatten die Steigerungsraten eine fallende, seit 29. Januar eine linear fallende Tendenz. Unter Berücksichtigung einer rund bis zu 14-tägigen Inkubationszeit wäre eine solche Entwicklung erst deutlich später zu erwarten gewesen, wenn die Natur der Epidemie tatsächlich derart katastrophal gewesen wäre, wie von offizieller Seite befürchtet und zur Basis der Berechnung von Maßnahmen zur Eindämmung gemacht wurde.

Mit Blick auf die Zahlen war Michael Levitt bereits am 2. März in der Lage, die Zahl der Toten in China nahezu exakt vorherzusagen, was ihm weltweit Anerkennung und Nachfragen eingebracht hat.

Er hält die klassische Grippe in bestimmter Hinsicht für schlimmer, weil sie bei mehr Menschen mit jungen Lebensjahren und mehr Lebenserwartung zum Tode führe. Weltweit stürben 150.000 Menschen jeden Tag. Viele Covid-Tote seien nahe ihrer natürlichen Lebenserwartung gewesen, oder sogar darüber hinaus. „Es sterben jene, denen niemand mehr eine Lebensversicherung verkaufen würde.“ Das sei bei Influenza anders.

Deutschland, so Levitt im VB-Interview, habe möglicherweise zu früh, bzw. wie auch China zu restriktive Maßnahmen eingeleitet, so dass sich die Epidemie nicht natürlich erschöpfen konnte. Im natürlichen Verlauf wäre nach den seinen Berechnungen zugrunde liegenden Erfahrungen vom Kreuzfahrtschiff Diamond Princess mit einer Gesamtsterblichkeit von bis zu einem Zwölftel der normalen Jahressterblichkeit zu rechnen. Berechnungen auf Basis der Prognosen des Londoner Imperial College unter Neil Fergusson hatten diese Last von Covid auf eine Größenordnung eines ganzen Jahres geschätzt. Konkret bedeutet dies, dass Schweden mit aktuell knapp unter 3000 Covid-Todesfällen bereits die Spitze seiner Epidemie erreicht oder gar überschritten hätte.

Professor Michael Levitt, Nobelpreisträger für Chemie 2013, im Interview zum Thema Coronavirus

Michael Levitt bezeichnet sich als Weltenbürger. Geboren 1947 und ausgebildet in Pretoria, Studium in England, Ph.D. in Cambridge. Akademische Positionen in Cambridge, am Weizmann-Institut in Israel sowie in Stanford an der dortigen Universitätsklinik.

Liebe Leserinnen und Leser des Vitalstoff.Blog,

Sie sind es gewohnt, fremdsprachliche Interviews in einer deutschen Übersetzung angeboten zu bekommen. In normalen Zeiten ist dies mein Anspruch. Leider schaffe ich es aktuell nicht, diesen selbst auferlegten Anspruch in zufriedenstellender Weise zu erfüllen. Dies hat mit der stark erhöhten Anzahl an Interviews zu tun, die ich aktuell führe, bzw. die ich konsumiere. Ich habe daher dieses Interview nur grob zusammenfassen können, um Ihnen zumindest einen gewissen Zugang zu ermöglichen, sofern Sie selbst nicht oder nicht in ausreichendem Maße Englisch sprechen.

Der Sinn dieser Interviews besteht jedoch nur in zweiter Linie darin, Ihnen spannende und Erkenntnis stiftende Inhalte zu präsentieren. In erster Linie dienen diese Gespräche – gerade in der aktuellen Phase, in der sich die Wissenschaft einem ganz neuen Phänomen gegenübersieht – meiner eigenen Orientierung. Es ist quasi eine Fortbildung oder Absicherung eigener Wahrnehmungen und Informationen. Um – im aktuellen Beispiel – das neuartige Coronavirus und die davon ausgehende Gefährlichkeit einschätzen zu können, gleichzeitig jedoch das Risiko für Fehleinschätzungen zu minimieren, suche ich das Gespräch mit möglichst vielen unterschiedlichen Experten. Wann immer möglich teile ich die Inhalte mit Ihnen, meinen Lesern. Und bald, so hoffe ich, auch wieder in der Wortlaut-Übersetzung.

Vielen Dank für Ihr Verständnis!

Ihr Uwe Alschner

»Der Lock-Down schwächt das Immunsystem«

Dr. Dan Erickson ist Leiter der Accelerated Urgent Care-Kliniken in Bakersfield, Kalifornien. Seit Anfang März ist die Gruppe verantwortlich für Tests auf das neuartige Coronavirus. Gemeinsam mit seinem Kollegen Dr. Artin Massihi hat Erickson am 22. April im Rahmen einer Pressekonferenz über seine Erkenntnisse berichtet. Darin stellt er den Lock-Down infrage. Die Maßnahmen seien wissenschaftlich unbegründet und viel schädlicher als die Krankheit Covid-19, von der er, gestützt auf eigene und öffentliche Daten, sagt, sie habe eine ähnliche Sterblichkeitsrate wie die jährliche Grippe.

Dr. Erickson sagt, die Isolation von Menschen, die nicht akut krank sind, werde eine Schwächung ihres Immunsystems zur Folge haben. Durch den Zusammenbruch vieler kleiner und mittelständischer Unternehmen führe der Einkommensverlust außerdem dazu, dass die Menschen ihren Antrieb verlieren. Sie wendeten sich Drogen und Alkohol zu, und es sei ein spürbarer Anstieg des Kindesmissbrauchs zu verzeichnen.

Dr. Erickson fragt: „Macht das Sinn? Ist das wissenschaftlich begründet? Wir hören immer wieder: ‚Halten wir uns an die Wissenschaft‚. Was ist Wissenschaft eigentlich? Es ist das Studium der natürlichen Welt durch Experiment, durch Beobachtung.
Genau das tun wir. Wir studieren die Krankheit um uns herum oder machen Beobachtungen; wir machen Untersuchungen, um herauszufinden, was genau vor sich geht…“

Wir dokumentieren Auszüge des Statements im übersetzten Wortlaut sowie die Originalvideos der Pressekonferenz.

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