Was Zucker und Tabak gemeinsam haben

Robert Lustig #ZRG2018
Beharrlich ignoriert. Obwohl Dr. Robert Lustig (Vordergrund rechts) direkt in seinem Sichtfeld saß und kurz zuvor die Gefahren von Zucker präsentiert hatte, tat der Repräsentant der Zuckerindustrie (links) auf dem Podium des Zucker-Reduktions-Gipfels der AOK so, als gebe es nicht eindeutige Belege, die eine Regulierung von Zucker dringend nahelegen.

Weil die Kosten für die Behandlung von Krankheiten wie Diabtes, Herzinfarkt, Krebs oder Alzheimer immer weiter steigen und die Leistungsfähigkeit der Sozialsysteme bedrohen, kommt der Prävention eine immer größere Bedeutung zu. Auch die Krankenkassen Gesundheitskassen haben erkannt, dass die Steigerung von Versichertenzahlen nur dann Sinn macht, wenn die Kosten pro Versicherten nicht schneller steigen. Zucker enthält bereits nach landläufiger Meinung „leere Kalorien“ ohne weiteren Nährwert und wird mit Übergewicht, Diabetes und schlechter Zahngesundheit in Verbindung gebracht. Um den Zuckeranteil in Lebensmitteln und damit das Risiko von Folgeerkrankungen zu senken, hat der AOK-Bundesverband in dieser Woche in Berlin den 2. Zucker-Reduktions-Gipfel #ZRG2018 ausgerichtet. Was Zucker und Tabak gemeinsam haben weiterlesen

Glyphosat: Die unterschätzte Gefahr

Don Huber Interview 2018
Don. M. Huber, Professor em. Purdue University, im VB-Interview über die Gefahren durch Glyphosat

In diesen Tagen macht die Mega-Fusion des Chemiegiganten Bayer mit dem US-amerikanischen Produzenten von Saatgut, Monsanto, erneut Schlagzeilen. Die Wirtschaftspresse sorgt sich um hohe Auflagen, die den Schwindel erregenden Kaufpreis von 60 Milliarden Dollar noch fragwürdiger machen. Negativ falle auch das schlechte Image von Monsanto ins Gewicht. Dieses schlechte Image, welches Bayer nun übernehme, rühre her von Monsantos Engagement als Hersteller von gentechnisch veränderten Pflanzen (GMO) und als Hersteller des Herbizids Glyphosat, gegen das die GMO-Pflanzen des Unternehmens resistent gemacht wurden.

Umwelt- und Verbraucherschützer sehen das Risiko (neben der Gentechnik) vor allem in der Substanz Glyphosat selbst. Es hat sich ein Streit darüber entwickelt, ob Glyphosat nun besonders vorteilhaft sei (wie Monsanto und nun auch Bayer denken dürften), oder ob die Substanz gefährlich sei (worüber wir hier und hier auch bereits berichtet haben).

Was Glyphosat eigentlich ist, wie die Substanz wirkt, findet öffentlich bislang wenig Beachtung. Fragen im Zusammenhang mit der Neuzulassung von Glyphosat in der Europäischen Union im Jahr 2017 drehte sich vorwiegend um die mögliche Krebs erregende Wirkung von Glyphosat. Anlass genug, sich mit dem Wissenschaftler zu unterhalten, der im Jahr 2011 weltweit Schlagzeilen machte, als er den damaligen US-Agrarminister vor den Gefahren von Glyphosat warnte: Professor em. Dr. Don Huber.

Im Gespräch mit Vitalstoff.Blog erläutert Don Huber die spezielle Problematik von Glyphosat. Die Substanz, so Huber, wirkt nicht primär tödlich, sondern zerstört zahlreiche Enzymprozesse durch eine Bindung des Moleküls an essentielle Co-Faktoren dieser Enzyme. Diese Co-Faktoren sind einfache Mineralien und Spurenelemente, welche für die Immunabwehr von Pflanzen nicht mehr verfügbar sind, wenn Glyphosat angewendet wird. Die Pflanzen sterben durch „eine verschärfte Form von AIDS“, also eine Immunschwäche. Auch Bakterien werden durch Glyphosat berührt, und zwar in doppelter Hinsicht: nützliche Bakterien, auf die auch Menschen angewiesen sind, werden getötet, während schädliche Pathogene gefördert werden. Die Folgen der Veränderung nennt Huber „dramatisch“ – auch für Menschen und Tiere! Glyphosat: Die unterschätzte Gefahr weiterlesen

Gefahren durch Mobilfunk systematisch heruntergespielt?

Lange habe ich überlegt, dieses Stück nicht zu schreiben. Zuallerst: Dies ist das Vitalstoff-Blog und kein Blog für Gesundheitsgefahren. Zum zweiten: Ich bin ein bekennender Fan von Handies. Jedenfalls war ich das bisher. Und habe die Fortschritte der technischen Entwicklung in diesem Bereich selbst in Form von Produktivitätszuwachs genossen. Mit zunehmender Dauer allerdings wandelt sich dieses Bild und die Schattenseiten dieser Entwicklung treten für mich immer stärker zutage: Ständige Erreichbarkeit und daraus resultierender Streß. Idealisierung dieses Fortschritts durch die nächste Generation mit zunehmendem Zwang, jede technische Neuerung nachvollziehen und besitzen zu müssen. Et cetera, et cetera …
Wie dem auch sei: Angeregt durch eine spannende Sendung von erneut Layna Berman, die sich selbst und ihre Sendung „Your Own Health and Fitness“ als „kritische und unabhängige Stimme“ bezeichnet, die „nicht nur Ihre Gesundheit, sondern auch eure (Informations-)Freiheit“ schützt“, habe ich mich entschlossen, Information nicht für mich zu behalten, sondern sie zu teilen. Es ist Information, die mich besorgt, weil sie unterstellt, es könnten systematisch Informationen unterdrückt worden sein, die eine Gefährlichkeit von Mobilfunk-Telefonen und -Anlagen zeigen. Diese Aussage stammt von Dr. Devra Davis, Autorin des Buches Disconnect. Sie hat lange geforscht und ein spannendes Buch veröffentlicht, in dem klare Empfehlungen von Wissenschaftlern erscheinen: Halten Sie ihr Mobiltelefon nicht an den Kopf, weil die elektromagnetische Strahlung eine ernst zu nehmende Gesundheitsgefährdung sein kann. Überraschenderweise sagen dies sogar die Hersteller!

Achtung Industrie!

Verbraucherschutz! Passender und ehrbarer kann kein Anspruch sein, den die Politik für ihr Wirken zum Wohle der Wähler formulieren könnte. Doch tatsächlich handelt es sich – allen durchaus oftmals ernst gemeinten Erklärungen zum Trotz hierbei um eine zwiespältige Sache. Denn was unter dem Mantel des Verbraucherschutzes daherkommt, entpuppt sich bei genauem Hinsehen nicht selten als eiskalte Entmündigung der Verbraucher. So zum Beispiel die hier bereits thematisierte Novelle des LFGB. Immer deutlicher wird dabei, dass vor allem eine Seite profitiert: Die Industrie!
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Ein ganz einfacher Dreisatz

Dass ich gerne schreibe und die Ergebnisse von Beobachtungen oder Recherchen danach gerne teile, ist meinen Lesern bekannt. Die meisten wissen auch, dass ich an verschiedenen Stellen publiziere – zu den Themen, die mich persönlich bewegen. Dieser Beitrag ist der erste, der nicht nur auf allen drei Blogs stehen könnte, sondern tatsächlich auch hier, hier und hier zeitgleich erschienen ist. Anlass war dieser Beitrag in der ZEIT über die neue Volkskrankheit Burn-Out“.
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Perpetuum Mobile

Das deutsche Gesundheitswesen steht vor gewaltigen Problemen – und gehört dennoch zu den attraktivsten Wirtschaftsbereichen weltweit. Wie ist das möglich?
Ganz einfach: weil die Attraktivität als Wirtschaftsfaktor der Hauptgrund ist für die Probleme des Gesundheitswesens! Ganz recht: was sich wie ein Paradox liest, ist gar keines, sondern sogar eine logische Folge! Was sich auch daran ersehen lässt, dass die Probleme und Lasten vor allem einseitig verteilt sind: Beitragszahler und Patienten sowie die öffentlichen Kassen (inklusive Krankenkassen) sind die Leidtragenden. Nutznießer sind vor allem die großen Arzneimittelhersteller!
Auch wenn sie dies wie der scheidende Bayer-Chef Werner Wenning nach Kräften leugnen, bleibt es eine Tatsache: die Ausgaben für Arzneimittel sind in Deutschland 20 Prozent höher als im Durchschnitt der Industrieländer. Das hat die OECD zuletzt 2007 bestätigt. Wohlgemerkt: weil Deutschland selbst zu dieser Gruppe zählt, tragen die hiesigen Arzneimittelkosten noch dazu bei, dass sich der Durchschnittswert künstlich erhöht. Ohne Deutschland hätten die übrigen OECD-Länder einen geringeren Durchschnittswert – und die Diskrepanz zu Deutschland fiele noch deutlicher aus!
Da ist es geradezu lächerlich, wenn der Bayer-Chef, dessen Unternehmen die führende Rolle im Lobbyverband der Forschenden Arzneimittelhersteller VFA spielt (Hauptgeschäftsführerin Cornelia Yzer war Bayer-Angestellte, bevor sie in die Politik wechselte und bereits als Staatssekretärin im Bonner Forschungsministerium dazu beitrug, den engen Zusammenhang zwischen Wirtschaft und Forschung zu erhalten), versucht, das Kostenargument mit dem Hinweis zu widerlegen, der Preisanstieg von patentgeschützen Arzneimitteln habe nur 2,2 Prozent betragen. Dieser Wert ist unmaßgeblich, denn er bezeichnet die Preissteigerungen der Medikamente, die bereits auf dem Markt erhältlich sind und noch dem Patentschutz unterliegen. Der wahre Kostentreiber sind jedoch Arzneipräparate, die neu patentiert und in den Markt gebracht werden! Sie verursachen 60 Prozent der Arzneimittelausgaben. Und zwar deshalb, weil sie nur die Hürde der medizinischen Zulassung nehmen, bevor sie von den Krankenkassen erstattet werden müssen! Selbst dann, wenn ihr medizinischer Nutzen im Vergleich zu bereits erhältlichen Präparaten gering oder gar nicht existent ist!
Gerade in diesen Fällen, wo ein „Fortschrittsnachweis“ nicht bewiesen ist, weil sich das neue Präparat in der Wirkung kaum von alten unterscheidet, liegt es nur noch am Vertriebserfolg des Hersteller-Unternehmens, um die Kassen zu zwingen, die Kosten zu übernehmen. Wie sich ein solcher Erfolg erzielen lässt, wissen Heerscharen von Pharma-Referenten zu berichten: durch „Kundenpflege“ und „Überzeugungsarbeit“ bei den verabreichenden Medizinern!
Vor diesem Hintergrund wird die Ablösung des IQWiG-Chefs Peter Sawicki erst recht fragwürdig, dessen Institut die Beurteilung dieses „Fortschrittsaspektes“ neuer Arzneimittel stärker in die Beurteilung nehmen sollte.
Damit wird deutlich, dass das Gesundheitswesen in Deutschland für die Pharma-Industrie ein perpetuum mobile ist, ein sich selbst treibendes System: die Gewinne aus patentierten Arzeimitteln werden zu einem Teil in „Kundenpflege“ investiert, was zu konstanten Verschreibungen neuer Medikamente der selben Hersteller oder zur Wechselbereitschaft neuer Hersteller führt. Die dadurch erreichten Verschreibungen neu patentierter Medikamente sichern weitere Gewinne, da die Kosträger (Krankenkassen) die Preisgestaltung für diese neuen Medikamente akzeptieren müssen. Personelle Verflechtungen zwischen Industrie und Politik sichern parallel den Einfluss auf die Ausgestaltung der Rahmenbedingungen der Zukunft. Politik definiert Fortschritt finanziert Politik finanziert Wirtschaft definiert Politik definiert Fortschritt. Wo bleibt da die Gesundheit??