Faktencheck: Sind asymptomatisch Infizierte ansteckend?

Eine der drängenden Fragen lautet gegenwärtig: warum können wir die Corona-Beschränkungen nicht endlich aufheben? Antwort, weil eine zweite Welle droht, wenn sich das Virus unerkannt verbreitet. Die Gefahr der Ansteckung von asymptomatischen Trägern sei hoch, heisst es immer wieder. Aber ist das so? Weder in der Studie von Professor Hendrik Sreeck noch sonstwo lassen sich dafür Belege finden. Im Gegenteil: sogar die WHO hat am 8. Juni erklärt, dass von asymptomatisch infizierten nach allen praktischen Ergebnissen keine Gefahr ausgehe, und dass nur theoretische Modellrechnungen vor einer solchen Gefahr warnten.

Wir dokumentieren hier einen Auszug aus einem längeren Stück über Fakten zu Covid-19. Der Autor ist JB Handley, der sich im Thema Autismus engagiert und im US-Bundesstaat Oregon lebt. Übersetzung aus dem amerikanischen Uwe Alschner.

Am 13. Januar 2020 begab sich eine 22-jährige Frau mit einer angeborenen Herzerkrankung in die Notaufnahme des Guangdong Provincial People’s Hospital und klagte über eine Vielzahl von Symptomen, die bei Menschen mit ihrer Erkrankung häufig auftreten, einschließlich pulmonaler Hypertonie und Kurzatmigkeit aufgrund eines Vorhofseptumdefektes (Loch im Herzen). Sie ahnte kaum, dass ihr Fall eine Kaskade von Ereignissen auslösen würde, die zu einem kürzlich veröffentlichten Papier führen würde, das alle Sperren auf der ganzen Welt gleichzeitig hätte beenden sollen. Drei Tage nach ihrem Krankenhausaufenthalt verbesserte sich ihr Zustand. Es wurden Routinetests durchgeführt, und die Ärzte waren alarmiert und überrascht, dass sie positiv auf COVID-19 getestet wurde. Wie die Ärzte feststellten, „hatte die Patientin nie Fieber, Halsschmerzen, Myalgie oder andere Symptome im Zusammenhang mit einer Virusinfektion“. Anders gesagt, sie war völlig asymptomatisch für COVID-19.

Es ist nicht so einfach, Menschen zu finden, die zwar mit COVID-19 infiziert, aber asymptomatisch sind, weil sie keine medizinische Hilfe suchen. Hier in Oregon, wo ich lebe, kann man nicht einmal einen COVID-19-Test machen, wenn man keine Symptome hat. Also stellten sich die Sterne darauf ein, diese Frau in ein Krankenhaus mit Forschern zu bringen, die COVID-19 untersuchen, und sie wurde zum Gegenstand einer umfangreichen Kontaktstudie, die am 13. Mai in der Zeitschrift Respiratory Medicine publiziert wurde.

Die Forscher wollten herausfinden, ob diese Frau mit einer COVID-19-Infektion, aber ohne Symptome, noch jemanden angesteckt hatte. Daher entschieden sie sich, jeden einzelnen Kontakt, den sie innerhalb der letzten 5 Tage vor ihrem positiven Test identifizieren konnten, zu überprüfen. Wie viele Personen mussten sie also untersuchen? 455. Keine geringe Zahl, wie die Forscher erklären:

455 Kontakte, die dem asymptomatischen Virusträger COVID-19 ausgesetzt waren, wurden zum Gegenstand unserer Forschung. Sie wurden in drei Gruppen aufgeteilt: 35 Patienten, 196 Familienmitglieder und 224 Krankenhausmitarbeiter. Wir extrahierten ihre epidemiologischen Informationen, klinischen Aufzeichnungen, Ergebnisse von Hilfsuntersuchungen und Therapiepläne.

»455 contacts who were exposed to the asymptomatic COVID-19 virus carrier became the subjects of our research. They were divided into three groups: 35 patients, 196 family members and 224 hospital staffs. We extracted their epidemiological information, clinical records, auxiliary examination results and therapeutic schedules.« Übersetzung: deepl.com

Wie Sie sehen können, führte der Krankenhausaufenthalt zu den meisten Kontakten, die diese Frau hatte, sowohl mit anderen Patienten als auch mit vielen Mitgliedern des Krankenhauspersonals. Vor allem fanden alle diese Kontakte in geschlossenen Räumen statt, und man könnte argumentieren, dass viele dieser Kontakte – zumindest mit dem Krankenhauspersonal – in relativ intimen Kontakten bestanden hätten. Unter den Patienten lag das Durchschnittsalter bei 62 Jahren, was wohl ein höheres Risiko bedeutete, und viele dieser Patienten waren aus verschiedenen Gründen, darunter Chemotherapie und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, immungeschwächt. Wie viele der 455 Personen waren also von der asymptomatischen 22-jährigen Frau infiziert?

Zusammenfassend kann man sagen, dass alle 455 Kontakte von einer SARS-CoV-2-Infektion ausgeschlossen wurden …

»In summary, all the 455 contacts were excluded from SARS-CoV-2 infection…« Übersetzung deepl.com

Anders gesagt, exakt null Menschen wurden infiziert. Die Wissenschaftler äußern sich in typisch untertriebener Weise zu der Frage, die Sie sich hoffentlich jetzt gerade stellen (nämlich: Warum sind wir alle eingesperrt, [oder anderen Einschränkungen ausgesetzt, d. Herausg.] wenn asymptomatische Menschen mit COVID-19 die Infektion nicht verbreiten können?

Wäre diese Studie Anfang März veröffentlicht worden, wären die Chancen, dass sich die Welt geschlossen hätte, sehr, sehr gering gewesen. Dennoch ist diese Studie, die erst vor zwei Wochen veröffentlicht wurde, nirgendwo in den Medien zu finden und wird von politischen Entscheidungsträgern nie erwähnt. Sie ist einfach da – und für jeden, der bereit ist, sich ihr zu widmen, einsehbar und verständlich.

Veröffentlicht von

Uwe Alschner

Uwe Alschner, Dr. phil. M.A., Traumdoc, Big Five for Life® Coach, ist begeisterter Blogger und Coach. Die Beiträge drehen sich vorwiegend um die Themen Eigenverantwortung, Gesundheit und Persönlichkeitsentwicklung.

5 Gedanken zu „Faktencheck: Sind asymptomatisch Infizierte ansteckend?“

  1. 196 Familienmitglieder? Die Familie ist aber groß… Ist es möglich, daß die Asymptomatischen gar nicht das Virus in sich tragen und dies ein falschpositiver Test ist?

      1. Danke für den Hinweis. Es ist jedoch keine Studie, die hier im NEJM dokumentiert wird, sondern ein Artikel. Zwei von drei Autoren weisen aus, dass Sie einen Interessenkonflikt haben: Beide erhalten Mittel vom NIH, ein Autor erhielt Zuwendungen von Gilead, einem Hersteller von Impfstoffen.
        Das macht den Artikel nicht per se schlecht, aber es sollte bedacht werden, wenn es um die Interpretation der Aussage geht.

        Die Autoren beschreiben den Super-Spreading Event in Washington State, in einem Seniorenheim. Dies ist per se unstrittig, dass Heime besser und besonders geschützt werden sollten.
        Allerdings ist in diesem Fall eben gerade nicht geklärt, ob Infektionen von asymptomatisch Infizierten erfolgt sind. (» Although the investigators were not able to retrospectively elucidate specific person-to-person transmission events and although symptom ascertainment may be unreliable in a group in which more than half the residents had cognitive impairment, these results indicate … «)
        Zudem behaupten die Autoren eine starke Ausscheidung aus den Nasenhöhlen, ohne dass diese Aussage belegt worden wäre. (» Moreover, live coronavirus clearly sheds at high concentrations from the nasal cavity even before symptom development.«)
        Insgesamt ist dieser Beitrag daher aus hiesiger Sicht gerade kein Argument für asymptomatische Übertragung, wohl aber für Interessenskonflikte, die erst auf den zweiten Blick zutage treten (Sie hätten direkt im Artikel ausgewiesen werden können, es erfolgte jedoch nur ein Hinweis auf ein verlinktes Formblatt).

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