Impfen – dafür oder dagegen?

Von Guido Wiggerink

Kürzlich hat ein Artikel zum Thema „Der Erfolg der Impfungen“ eines Berliner Mediziners bei mir etwas ausgelöst. Es ging nicht nur darum, dass ich den Artikel inhaltlich recht einseitig fand und an einigen Äußerungen große Zweifel hatte, sondern ich habe mir auch Gedanken dazu gemacht, welche Vorgehensweise in diesem emotionsgeladenen Streit-Thema der Wahrheitsfindung dienlich wäre. Wenn es denn überhaupt eine „Wahrheit“ zu einem solch komplexen Thema geben kann, vielleicht sollten wir besser über die „bestmögliche Wahrheitsnähe“ sprechen. Was würde uns denn der Wahrheit näher bringen? Eine Gegendarstellung? Vielleicht. Aber erstens bin ich dazu mangels Überblickes und Fachwissen nicht der Richtige und zweitens möchte ich die polarisierende Frage nach dem „dafür oder dagegen“ einmal aus einer anderen Perspektive betrachten.

Mein Leserbrief an das Magazin lautete wie folgt:

„Ich kann verstehen, dass Sie zu diesem wichtigen Thema einen hochkarätigen Mediziner zu Wort kommen lassen. Und ich glaube auch, dass er mit einigen Aussagen richtig liegt und ein ausgezeichneter Mediziner ist. Gleichzeitig empfinde ich seine Haltung zum Thema aber auch nicht besonders ausgeglichen, teilweise sogar bedenklich einseitig.

Ich persönlich habe in den letzten 15 Jahren merkwürdigerweise ein paar dieser „Ausnahmefälle“ (Menschen mit ernsthaftem Impfschaden) persönlich kennengelernt. Eine mir gut bekannte Frau wollte als junge Schulabgängerin Krankenschwester werden und ist seit ihrer Hepatitis-Impfung halb gelähmt und pflegebedürftige Patientin eines Pflegeheims.

Dass es sich dabei um Ausnahmen in statistisch kaum noch erfassbaren Grenzregionen handelt, glaube ich persönlich nicht. Aber wer schenkt diesen wenigen Menschen denn eine Stimme? Wer bezahlt denn klinische Studien für vermeintlich Impfgeschädigte?

Wenn wir nun darüber nachdenken wie wir uns eine möglichst objektive Meinung zum Thema bilden können, ist mir ein Faktum sehr wichtig, da dies eine wichtige, zu bedenkende Rahmenbedingung bildet: unser Gesundheitssystem ist ein Multi-Milliarden-Euro Geschäft und reagiert auf kritische Stimmen von außen sehr empfindlich. Und es ist kein Geheimnis, das wir in Deutschland trotz jährlicher Gesundheitsausgaben in Höhe von ca. 350 – 400 Milliarden Euro im Jahr im Vergleich zu einigen anderen Nationen nur eine mittelmäßige Lebenserwartung haben. Und so wie Greta Thunberg es für den Klimaschutz gegenüber den Politik- und Wirtschaftsbossen dieser Welt ausdrückt, möchte ich als Analogie ebenso anmerken: die wissenschaftliche Forschung hat in den letzten Jahrzehnten Erkenntnisse hervorgebracht, die einige konventionelle Praktiken in unserem Gesundheitssystem komplett und vollständig in Frage stellen. Aber es ändert sich in den meisten Fällen BM … nichts. Warum ist das so?

Wo auf der einen Seite viele Milliarden Euro Kosten entstehen, gibt es auf der anderen Seite auch viele Milliarden Euro Umsatz – und dieses Geschäft wird gegen Angreifer von außen verteidigt – das ist ein ganz natürlicher Immunisierungsprozess, der mittlerweile viele Pharmaunternehmen vor der Pleite bewahren dürfte. Das passiert in der Wirtschaft jeden Tag und überall. Es dient allerdings ausschließlich dem Schutz des investierten Kapitals und ist weder Innovationsfördernd noch der bei der Wahrheitsfindung dienlich.

Ist ein medizinisches Produkt, z.B. ein Impfstoff erst einmal entwickelt, patentiert und zugelassen ist i.d.R. bereits unvorstellbar viel Geld investiert worden und bei bedrohlicher Datenlage wird beizeiten nochmal kräftig in medizinische Studien nach-investiert. Diese sind für den Laien hochgradig eindrucksvoll und vermeintlich neutral – dabei weiß ich durch meine eigene Ausbildung als Statistik-Spezialist selber sehr genau, dass man eigentlich alles beweisen kann was man beweisen möchte, da hat der Studienleiter trotz strikter Prinzipien viel mehr Freiheitsgrade als sich der Laie überhaupt vorstellen kann. Und nun raten Sie mal, wer all diese Studien finanziert? Man muss gar nicht besonders intelligent sein, nur ein bisschen misstrauisch: recherchieren sie mal, wer all diese Studien finanziert. Das gilt auch für sehr angesehene Institute. Sie brauchen nur dem erfolgversprechenden Leitsatz für Ermittler „Follow the money“ nehmen und einmal den Geldflüssen nachgehen. Machen Sie das z.B. mal für die hochangesehene Weltgesundheitsorganisation WHO, ich verspreche Ihnen, Sie würden staunen. Ich möchte Dr. (…) und anderen Spezialisten niemals unterstellen, dass sie bewusst die Fakten verdrehen oder gar die Unwahrheit sagen; ich sage lediglich, dass es zu diesem Thema keine neutralen Informationen gibt. Nirgends.

Aus diesem Grund würde ich a-priori jedem Menschen, der ein Teil dieses Systems ist und von ihm ausgebildet wurde und auch abhängig ist, keine vollständig neutrale Urteilsfähigkeit zusprechen. Auch nicht, wenn er Dozent und Arzt an einem renommierten Institut ist.

Meine Perspektive bildet auch nur einen kleinen und unvollständigen Teil der komplexen Wirklichkeit ab, aber um so etwas wie „die Wahrheit“ herauszufinden, müssen wir uns schon etwas Mühe geben und eine möglichst vollständige Lagebeurteilung anstreben. Und das beinhaltet immer, sich verschiedene Perspektiven anzuhören und danach im Geist der Selbstverantwortung abzuwägen.

Und darum sind wir (…) auch dafür verantwortlich, die Stimmen der Kritiker zu Wort kommen zu lassen, denn auch sie besitzen akademische Titel und haben Bücher dazu geschrieben. Und sie könnten zu einigen Details in diesem Artikel Argumente vorbringen, die viele Leser wahrscheinlich sehr überraschen würden und zu einer besseren Einschätzung des Impf-Risikos beitragen würden.

Diese Voraussetzungen sind mit diesem Artikel allerdings noch längst nicht gegeben.

Herzliche Grüße

Guido Wiggerink

Wäre es nicht wunderbar, wenn der häufig so unfruchtbare Kampf zwischen Impf-Befürwortern und Impf-Gegnern eine neue Idee, eine Synthesis auf einem höheren Niveau hervorbringen könnte? Ich bin davon überzeugt, dass es auf beiden Seiten sehr wertvolle Anteile bzw. Elemente gibt, die bewahrt bleiben sollten. Ich zweifle nicht daran, dass dies möglich ist.

Ich zweifle leider allerdings daran, dass es genügend Menschen gibt, die sich nicht durch wirtschaftliche Interessen beeinflussen lassen, sondern die die wissenschaftliche Erforschung der Wahrheit als oberste Priorität betrachten und dabei jederzeit absolut unparteiisch handeln. Leider kenne ich einige Beispiele von Wissenschaftlern, die sich getraut haben, den Status quo in Frage zu stellen und sofort in ernsthafte Schwierigkeiten gerieten. Budgets gibt es auf Dauer nur für die Linientreuen, nicht für die Querdenker. Und leider kann es aus wirtschaftlichen Gründen manchmal auch gar nicht anders sein.

Das mag jetzt pessimistisch klingen, aber es beinhaltet eine wichtige Lektion, die ich vor vielen Jahren über ein Leben in 100% Selbstverantwortung gelernt habe: die größte Wahrheitsnähe liegt häufig nicht beim Mainstream und: es kostet Zeit und Willenskraft, sich einen Überblick zu verschaffen und man erfährt dabei gelegentlich Dinge, die man „eigentlich“ gar nicht wissen möchte. Manche finden das sehr anstrengend und vertrauen lieber dem System. Für mich ist das der Preis der Freiheit in der Verantwortung und Liebe zu meinen eigenen Kindern und all den Eltern, die für sich und ihre eigene Familie auf der Suche nach Antworten sind.

Über den Autor:
Guido Wiggerink, Jahrgang 1979, ist Wirtschaftsingenieur und Vater von fünf Kindern. Dies ist sein erster Gastbeitrag.

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