Gefahr fürs Herz durch Kalzium?

Da ist sie wieder. Die Nachricht, auf die wir alle gewartet haben: Kalziumgaben sind gefährlich und können zu Herzinfarkt und Schlaganfall führen. Das jedenfalls will eine Studie herausgefunden haben, die im renommierten British Medical Journal veröffentlicht wurde. Und auf der anderen Seite ruft die Weltgesundheitsorganisation WHO dazu auf, das Trinkwasser mit Kalzium anzureichern. Zwei Beispiele für schlechte wissenschaftliche Arbeit! Denn Kalzium ist weder gefährlich, noch ein Allheilmitel. Kalzium ist ein Mineral – und sollte nie isoliert eingenommen werden!

Die Süddeutsche Zeitung und ihr Wissenschaftsredakteur Werner Bartens werten regelmässig die wichtigsten wissenschaftlichen Zeitschriften aus. Wenn wie aktuell das British Medical Journal eine Studie veröffentlicht, die vor einem 30 Prozent höheren Risiko für Herzinfarkte durch Kalzium-Supplemente (Nahrungsergänzungen) warnt, ist das natürlich eine Meldung. Natürlich?
Auch hier gilt die journalistische Grundregel: Prüfe deine Quelle! Nun ist dies bei wissenschaftlichen Arbeiten sicher etwas schwerer als bei Pressemitteilungen eines Ministeriums. Doch unfehlbar ist auch das BMJ nicht, soviel sollte für die Süddeutsche klar sein. Und klar sein sollte auch die Tragweite, die eine solche Sensationsmeldung besitzt! Schon einmal waren die Süddeutsche und ihr Redakteuer Bartens an der Verbreitung einer mißverständlichen Meldung beteiligt. Wer liest nach einer so eindeutigen Schlagzeile noch den ganzen Text? Und wer hinterfragt ihn? Das lohnt sich jedoch, auch für die Süddeutsche!
Denn es bringt Interessantes zutage: Die im BMJ zitierte Studie ist eine Meta-Studie. Das bedeutet: kein Patient und kein Versuch ist für dieses Ergebnis beobachtet worden. Das Ergebnis ist eine Sekundäranalyse mehrer Studien, die sich jedoch mit unterschiedlichen Fragestellungen beschäftigt haben und ganz sicher zwei Kriterien nicht erfüllten: weder ein einheitliches Forschungsdesign noch eine einheitliche Auswahl und Beobachtung von Versuchspersonen.
Zweitens haben die Autoren dieser „neuen“ Studie offenbar sehr selektiv ausgesucht, welche der zahlreichen Studien zur Herzgesundheit und Mikronährstoffversorgung einbezogen wurden und welche nicht. Es scheint eine sehr kleine und voreingenommene Auswahl gewesen zu sein, denn es wurden nur Studien berücksichtigt, die eine isolierte Gabe von Kalzium alleine beinhalteten. Studien, die wie die Nurses Health Study aus den USA sehr groß und sehr repräsentativ sind, wurden nicht in die Auswahl einbezogen. Warum nicht? Weil sie neben Kalzium viele andere Mikronährstoffe in die Untersuchung einbezogen hat und obendrein einen klaren Gesundheitsfördernden Zusammenhang zu Herzerkrankungen und Kalzium zeigen? Wenn Kalzium im Verbund mit anderen Co-Faktoren gegeben oder genommen wird!
Es ist das alte Lied: Skeptiker der Bedeutung von Vitalstoffen versuchen den Beweis zu führen, indem sie die Grundannahme und Grundbedingung der orthomolekularen Medizin ignorieren: Mikronährstoffe wirken immer und nur im Verbund! Es kommt auf die Synergie aus dem Zusammenwirken mehrerer Faktoren an, um eine gewünschte Wirkung zu erhalten. Fehlt es an dem Zusammenwirken und kommt es zu isolierten Gaben einzelner Vitalstoffe, hat dies dann negative Folgen!
So auch für das Kalzium: das sich Kalzium und Magnesium als Antagonisten im Stoffwechsel gegenseitig beeinflussen, ist lange bekannt. Ebenso ist seit einiger Zeit klar, dass die Resorption von Kalzium für den Knochenbau (und zur Osteoporose-Vorbeugung) auf das Zusammenwirken mit mehreren Vitalstoffen angewiesen ist, von denen Vitamin D und Vitamin K die wichtigsten Co-Faktoren sind, ohne die Kalzium nicht in den Knochenstoffwechsel eingebait werden kann, sondern im Blutstrom angereichert wird, wo es sich schließlich an den Arterienwänden und den Herzklappen ablagert. Nichts anderes haben die Forscher der Meta-Studie bestätigt!
Die Quintessenz und Top-Meldung für Süddeutsche und andere Medien wäre also das Gegenteil: Kalzium ist gesund und sollte im Verbund mit anderen essentiellen Vitalstoffen eingenommen werden. Dann wirkt es segensreich, nicht nur zur Osteoporose-Prophylaxe!
Eine solche Meldung in der Süddeutschen könnte es vielleicht gar bis Genf zur WHO schaffen und auch dort klarmachen: es bringt nichts, Kalzium im Trinkwasser oder sonstwo anzureichern. Wichtig ist es, für eine gute und ausreichende Grundversorgung mit Vitalstoffen zu sorgen. Die kommt zu allererst aus einer ausgewogenen Ernährung mit viel Frischem Obst und Gemüse – und sollte nach den nach wie vor gültigen Empfehlungen der Experten durch eine Einnahme eines hochwertigen Multivitaminkomplexes aus natürlichen Quellen und in synergistischer Formulierung ergänzt werden! Weil die Gefahr eines Mangels an Vitalstoffen viel größer ist als eine hypothetische Überdosierung. Auch für Kalzium!!

Veröffentlicht von

Uwe Alschner

Uwe Alschner, Dr. phil. M.A., Traumdoc, Big Five for Life® Coach, ist begeisterter Blogger und Coach. Die Beiträge drehen sich vorwiegend um die Themen Eigenverantwortung, Gesundheit und Persönlichkeitsentwicklung.

3 Gedanken zu „Gefahr fürs Herz durch Kalzium?“

  1. Klasse! Ganz meiner Meinung, ich bin zwar keine „echte Expertin“, nur sagen wir sehr erfahrene Sportwissenschaftlerin, aber vor der Gabe einzelner Substanzen zu
    warnen ist NIE verkehrt. Sie wirken einfach nur im Verbund!

    War da auch die Rede von der Dosierung? Ich würde sagen, das ist wichtig und macht schon was aus…

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