Wer hat unser Vertrauen in der Debatte um COVID verdient?

Von Stacey Rudin

Der stoische Philosoph Epiktet war der Ansicht, dass ein ehrenhafter Charakter und ein Leben in Weisheit mit einem klaren Verständnis eines Grundprinzips beginnen: „Manche Dinge liegen in unserer Hand und manche Dinge nicht“. Wie wir von anderen wahrgenommen werden – unsere Popularität – liegt letztlich außerhalb unserer Kontrolle; wir sollten uns auf den Charakter konzentrieren, nicht auf die Reputation, denn „der Versuch, zu kontrollieren oder zu ändern, was wir nicht bestimmen können, führt nur zu Schmerz“. Das Jahr 2020 hat gezeigt, dass dies wahr ist. Viele Menschen auf der ganzen Welt, insbesondere viele Prominente, geben der Beliebtheit den Vorrang vor dem Charakter, und das hat in der Tat zu Schmerzen geführt.

In der COVID-Debatte gibt es einen Mainstream, eine „populäre“ Erzählung, und eine konkurrierende, „unpopuläre“ Erzählung – ein „Randmeinung“. Erstere nutzt den verbreiteten Wunsch vieler Durchschnitsmenschen aus, „beliebt“ zu sein. Sich dieser Bewegung anzuschließen ist einfach. Es bringt Schulterklopfen, Anerkennung und vermeidet unbequeme Begegnungen. Dieses Narrativ behauptet, dass es für die Menschheit unmöglich ist, die COVID19-Pandemie ohne einen Impfstoff, Lockdowns und Masken zu überleben, wobei eine Kombination dieser Maßnahmen auf unbestimmte Zeit erforderlich sein wird. Diese Darstellung erlaubt es, andere verantwortlich zu machen, dass sie „dich krank machen“, anstatt die persönliche Verantwortung für das Immunsystem und die allgemeine Gesundheit zu fördern.

Die Befürworter der konkurrierenden Erzählung hingegen müssen sich gegen massiven gesellschaftlichen Druck behaupten, nur um ihre Argumente vorzubringen, die nicht radikal sind: Sie befürworten eine Rückkehr zu den klassischen Instrumenten des Managements von Epidemien, die auch von Schweden und anderen Staaten und Ländern verwendet wurden, die keinen COVID19 Lockdown verhängt haben, und die in einer durchschnittlichen Sterblichkeit im Jahr 2020 resultierte. Sie sind nicht der Meinung, dass diese Pandemie eine vollständige Umgestaltung der Wirtschafts-, Sozial- und Bildungssysteme rechtfertigt. Sie sind der Meinung, dass jeder Mensch mit objektiven Informationen ausgestattet werden sollte über gesundheitliche Risiken und darüber, wie er am besten für seine persönliche Gesundheit sorgen kann. Damit Menschen eigene Entscheidungen treffen können.

Angesichts dieser konkurrierenden Narrative müssen wir Motive und Kosten betrachten. Die Kraft des sozialen Drucks, sich an das Mainstream-Narrativ anzupassen, ist sehr groß. Daher wissen wir, dass die Menschen, die bereit sind, dagegen zu argumentieren, entweder verrückt sind oder extrem motiviert, mutig und stark. Verrückt sind sie mit einiger Wahrscheinlichkeit nicht: viele von ihnen, wie Elon Musk und die Wissenschaftler, welche die Erklärung von Great Barrington verfasst haben, sind Giganten auf ihrem Gebiet. Sie riskieren alles und erdulden anstrengende persönliche Angriffe von allen Seiten, um gegen die Mehrheit zu kämpfen.

Wer sind diese Leute? Was haben sie davon, wenn sie tun, was sie tun: sich gegen den herrschenden Wind zu stellen? Der Princeton-Professor Robert P. George, ein Spezialist für moralische und politische Philosophie und Gewissenstheorie, zeigt am Beispiel der Sklaverei auf, dass jedes ernsthafte moralische Dilemma zwei Kategorien von Menschen offenbart: die Mehrheit, die dem populären Zeitgeist folgt, egal wie menschenfeindlich er ist, und die Minderheit, die ihre Existenz riskiert, um gegen den Zeitgeist zu kämpfen.

Manchmal frage ich Studenten, wie ihre Haltung zur Sklaverei gewesen wäre, wenn sie weiß gewesen wären und vor der Abschaffung der Sklaverei im Süden gelebt hätten. Raten Sie mal. Sie alle wären Abolitionisten gewesen! Sie alle hätten sich mutig gegen die Sklaverei ausgesprochen und unermüdlich gegen sie gearbeitet.

Das ist natürlich Unsinn. Nur der kleinste Teil von ihnen – oder von jedem von uns – hätte sich gegen die Sklaverei ausgesprochen oder auch nur einen Finger gerührt, um die Sklaven zu befreien. Die meisten von ihnen – wir wohl auch – hätten mitgemacht. Viele hätten das Sklavensystem unterstützt und mit Freude davon profitiert.

Deshalb antworte ich, dass ich ihre Behauptung anerkennen werde, wenn sie mir nachweisen können: dass sie sich bei ihrer heutigen Lebensführung für die Rechte wenig angesehener Opfer von Ungerechtigkeiten eingesetzt haben, deren Menschlichkeit verleugnet wird, und wo sie dies getan haben im Wissen darum,

(1) dass sie dadurch bei Gleichaltrigen unbeliebt würden,

(2) dass sie von mächtigen, einflussreichen Einzelpersonen und Institutionen in unserer Gesellschaft verächtlich und lächerlich gemacht würden,

(3) dass sie von vielen ihrer Freunde im Stich gelassen würden,

(4) dass sie böse beschimpft würden und

(5) dass sie riskieren würden, dass ihnen aufgrund ihres moralischen Engagements wertvolle berufliche Chancen vorenthalten würden.

Kurz gesagt, meine Herausforderung besteht darin, zu zeigen, wo sie sich selbst und ihre Zukunft in Gefahr gebracht haben, indem sie sich für eine Sache eingesetzt haben, die in den elitären Zirkeln unserer heutigen Gesellschaft unbeliebt ist“.

Robert P. George, Professor für Philosophie und Gewissensforschung, Princeton University

Epiktet würde diese Menschen, diejenigen, die bereit sind, unpopuläre Ziele zu verfolgen, als Menschen mit Charakter würdigen – als reife Menschen, die sich ihre eigenen Verdienste erwerben, indem sie vergessen, was andere Menschen von ihnen halten.

Mache dich niemals von der Bewunderung anderer abhängig, denn darin liegt keine Stärke. Es ist eine Tatsache des Lebens, dass andere Menschen, selbst Menschen, die dich lieben, nicht unbedingt mit deinen Ideen übereinstimmen, dich nicht unbedingt verstehen wollen oder deine Begeisterung teilen werden. Werde erwachsen! Wen kümmert es, was andere Menschen von dir denken!

Während dieser Weg zu Weisheit und Selbstachtung führt, so Epiktet, erfordert er die Bereitschaft, einen enormen sozialen Preis zu zahlen – weshalb sich nur eine Minderheit dafür entscheidet. »Es kann sein, dass du in allen Bereichen deines öffentlichen Lebens Nachteile haben und ausgegrenzt werden wirst, einschließlich deiner Karriere, sozialen Position und deiner rechtlichen Stellung vor Gericht.« Dies Schicksal nahmen die Abolitionisten jahrzehntelang auf sich, und es widerfährt jetzt auch den COVID-Dissidenten: Dr. Scott Atlas wurde von 100 seiner Kollegen in Stanford verleumdet, die sich dann auch noch weigerten, die Inhalte ihrer Vorwürfe gegen ihn zu debattieren. Eine einzige Google-Suche wird Dutzende von Verleumdungen gegen die Erklärung von Great Barrington und ihre Verfasser zutage fördern.

Was haben diese Lockdown-Gegner davon, wenn sie ihre Argumente der Öffentlichkeit präsentieren? Keinen materiellen Gewinn – eine Vorstellung, die für Befürworter des Lockdowns schwer zu verstehen ist. Was die Gegner jedoch gewinnen, ist die Gewißheit, dass sie für Wahrheit, Gerechtigkeit und das eintreten, was richtig ist, sogar bis zu dem Punkt, dass sie alles riskieren. Das ist ein Privileg.

Lockdown-Gegner können für sich in Anspruch nehmen, für die Schwächsten der Gesellschaft einsetzen. Für diejenigen, die keine Stimme haben. Für die Menschen, die verzweifelt um das Überleben ihrer Branche kämpfen. Für die Kleinunternehmer, die gerade genug verdienen, um ihre Kinder zu ernähren. Für die „systemrelevanten Beschäftigten“, die tagein, tagaus an der Supermarktkasse stehen, während ihre Kinder anstelle zur Schule zu gehen zu Hause bleiben und Videospiele spielen. Für die Kinder in Entwicklungsländern, die kilometerweit durch Felder laufen, nur um einen WiFi-Hotspot zu erhalten. Für die traumatisierten älteren Menschen, die seit acht Monaten kein Familienmitglied mehr umarmt haben. Für die Krankenhauspatienten, die allein und verängstigt sterben. Für die religiösen Gemeinden, die daran gehindert werden, Gottesdienste abzuhalten.

Für die Familien, die auf Feiertage, Geburtstage und Reisen verzichten. Für die sozial isolierten Menschen. Für die Babys, die aufwachsen, ohne ein Lächeln zu sehen. Für die Kinder mit besonderen Bedürfnissen, die ihrer Therapien beraubt sind, für die Frauen und Kinder, die mit gewalttätigen Männern und Vätern zu Hause eingesperrt sind. Für die neuen Besucher der Tafeln, für die ehemals stolzen Karrieremänner, die jetzt in der Arbeitslosigkeit versinken. Für diejenigen, die zu Drogen oder Alkohol getrieben wurden, für diejenigen, deren Reha ausgesetzt wurde. Für diejenigen, die über Selbstmord nachdenken. Für diejenigen, deren Impfungen und medizinische Behandlungen verzögert oder gestrichen wurden. Für diejenigen, die sich fragen, ob das Leben jemals wieder lebenswert sein wird. Für diejenigen, die das Gefühl haben, dass es nichts mehr gibt, worauf sie sich verlassen können, jetzt, wo Leben, Lebensunterhalt und Bildung nach Laune der Regierung eingeschränkt werden können.

Die Lockdown-Gegner glauben, dass all diese Menschen, jeder Einzelne, eine Stimme verdient, eine freie Entscheidung über seine Lebensphilosophie, und dass niemand sonst – auch nicht der mächtigste Mensch – das Recht hat, das zu überstimmen. Indem sie dieses System der Gleichheit und Fairness unterstützen, versuchen Lockdown-Gegner, eine Welt zu gestalten, die auf diesen Prinzipien aufbaut, die sie selbst, ihre Familien und die Welt als Ganzes schützt, indem sie den Menschen höher stellen als die Interessen von Unternehmen und Regierungen.

Was haben die Lockdown-Befürworter zu gewinnen? Um diese Frage zu beantworten, müssen wir nur überlegen, wer davon profitiert, dass die von ihnen propagierten Maßnahmen angeordnet werden. Milliardäre mit Investments in Big Tech-Unternehmen, Pharmaunternehmen, bestimmte politische Parteien. Die 1% – die gleichen Leute, die leicht von zu Hause aus arbeiten können, denen durch die Lockdowns kein Schaden entsteht, die sich für so klug halten, dass ihre Einschätzung davon, „was beängstigend sein sollte“, für jeden anderen Menschen auf dem Planeten gelten muss. Darüber muss man nicht debattieren, weil ihr Urteilsvermögen so absolut ist. Welche Unternehmen und Bildungssysteme und soziale Strukturen auch untergehen müssen, sie erleiden dieses Schicksal, weil diese Gruppe von Wissenden es sagen. Alles, was sie tun müssen, um dieses System voranzutreiben, ist die Kooperation der Medien zu erreichen. Alles was dazu nötig ist, ist Geld.

Ich bitte Sie, fragen Sie sich: Wer hat Ihr Vertrauen verdient? Ich würde dafür plädieren, dass die Lockdown-Gegner die heutigen Abolitionisten sind – Menschen, die bereit sind, sich unter unglaublichem Risiko für eine sehr unpopuläre Sache einzusetzen. Lockdowner mögen derzeit „beliebt“ sein, aber sie stehen auf der falschen Seite der Geschichte.

Dieser Beitrag erschien zunächst beim American Intstitute for Economic Research. Übersetzung aus dem Amerikanischen von Uwe Alschner

Veröffentlicht von

Uwe Alschner

Uwe Alschner, Dr. phil. M.A., Traumdoc, Big Five for Life® Coach, ist begeisterter Blogger und Coach. Die Beiträge drehen sich vorwiegend um die Themen Eigenverantwortung, Gesundheit und Persönlichkeitsentwicklung.

2 Gedanken zu „Wer hat unser Vertrauen in der Debatte um COVID verdient?“

  1. Ich glaube, die Frage, was „richtig“ oder „Falsch“ ist, sollte jeder vor dem eigenen Gewissen verantworten und nicht von der Bewertung durch andere abhängig machen. Daher gefällt mir die Schlussfolgerung mit der „falschen Seite der Geschichte“ nicht, denn auch das ist eine Bewertung. Ansonsten kann ich den Beitrag aber voll unterschreiben!

    1. Nun, was Meinung angeht, stimme ich Ihnen zu. Jedoch gibt es ja Aspekte, die objektivierbar sind. Die Analogie ist die Haltung zur Sklaverei. Dort war es schwer, für die Abschaffung einzutreten. Was die Unterzeichner der Erklärung von Great Barrington angeht, treten sie ja vor allem für einen offenen, transparenten Dialog ein. Den nicht zuzulassen kann man kaum mit „Meinungsfreiheit“ begründen. Nicht einmal mit Sicherheit, oder dem Schutz von Menschenleben. Denn der Lockdown kostet auch Menschenleben. Löschungen bei FB, YT & Twitter sind garantiert nicht die richtige Seite der Geschichte. Sie sind unrecht!

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